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Filmkritik: Lissi und der wilde Kaiser

Dieses Thema im Forum "Filme, Kino" wurde erstellt von Lauren, 14 November 2007.

  1. Lauren

    Lauren New Member

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    Was haben wir nicht schon über Micheal Bully Herbig und seine umgesetzten Ideen gelacht? Der Schuh des Manitu ist im deutschsprachigen Raum längst Kult und selbst beim 10. Mal ansehen, bringt er noch einen äußerst unterhaltsamen Filmgenuss. Auch (T)Raumschiff Surprise: Periode I konnte unsere Lachmuskeln noch hübsch strapazieren, auch wenn es an seinen Vorgänger schon aus rein klischeehaften Gründen nicht heranreichen konnte. Seit einiger Zeit ist nun das dritte Werk des deutschen Comidean im Kino zu bewundern und lockte bereits zahlreiche Besucher in die großen Mulitplexe – zu Unrecht, wie ich behaupten würde.

    In Lissi und der wilde Kaiser wird die österreichische Monarchie zu Zeiten der idealisierten Kaiserin Elisabeth von Österreich auf die Schippe genommen, mit all ihren Klischees und Lächerlichkeiten. Lissi und ihr Herzblatt Franzl, der Kaiser von Österreich, führen ein unbeschwertes Leben in Schöngrün, wo sie sich ihr Dasein mit Mozartkugel-Golf verfeinern und ausgedehnte Spaziergänge durch den riesigen Schlossgarten machen. So weit, so gut, wäre da nicht ein fieser Yeti, der aufgrund seines gemeinen Verhaltens vom Teufel auf direktem Weg in die Hölle geschickt werden würde, doch der Fürst der Unterwelt lässt sich auf einen Deal ein. Der namenlose Yeti muss ihm die schönste Frau der Welt bringen und die soll niemand Geringeres sein als Lissi, die er kurzerhand entführt. Die Rettungsaktion beginnt.

    Der dritte von Herbigs Eigenproduktionen stellt gleichzeitig sein Erstlingswerk in der Kategorie Animation dar und das ist gründlich in die Hose gegangen. Vor einigen Wochen hat sich das Publikum noch an der Perfektion des Pixar Films Ratatouille erfreut und es wurde wieder einmal unter Beweis gestellt, dass die Meister der Animation nicht von ihrem Thron zu stoßen sind. Nun möchte man angesichts der Tatsache, dass Bully solche Möglichkeiten im technischen Bereich nicht zur Verfügung stehen, gar nicht verlangen, dass die für die Umsetzung der Animation Verantwortlichen ein Werk auf allerhöchster Ebene abliefern, aber es ist enttäuschend, was sich da auf der Leinwand abspielt. So fehlt beispielsweise jede Detailverliebtheit, die doch gerade einen der Reize eines Animationsfilmes ausmacht und worauf geachtet werden soll, egal welchem Genre der fertige Film anschließend zuzuordnen ist. Die Charaktere wirken viel zu glatt, zu perfekt, viel zu einfach.

    Nun der werte Kinobesucher könnte über solche kleinen Mängel gut und gerne hinwegsehen, wenn sie denn durch eine gute und vor allem witzige Story wettgemacht werden würden, jedoch ist genau diese eine einzige Katastrophe. Die Lächerlichkeit des Plots wäre auch noch einigermaßen zu entschuldigen, wenn das Ganze denn wenigstens lustig wäre. Dass man aus dem Thema „Österreichische Monarchie“ weit aus mehr machen könnte, ist höchstwahrscheinlich sogar all jenen klar geworden, die absolut nichts mit Sissi und Co. am Hut haben, denn alleine aus überliefertem Klatsch und Tratsch des Hofes, hätte man eine amüsante Situation nach der anderen aus dem Hut zaubern können, schließlich ist gerade das „Lustig machen“ über die kaiserliche Vergangenheit ein herrliches Thema, das man sogar öfters als ein Mal aufwärmen kann, sollte es denn richtig angefasst werden. Die Charaktere sind derart lieblos und flach dargestellt, dass man sie kaum für Sympathie entwickeln kann, denn außer Lissis schreiender Naivität hat anscheinend keine der Figuren nennenswerte Eigenschaften, abgesehen von solchen, die vollkommen abstrus und unverständlich daherkommen, wie beispielsweise das unstillbare Verlangen der Kaiserin Mutter nach körperlicher Zuneigung, die sie durch Aphrodisiaka zu erzwingen versucht. Die Story um eine Entführung der Kaiserin durch einen Yeti, der aus Verzweiflung einen Pakt mit dem Teufel schließt und so auch noch das Liebesleben des Monarchenpaares durcheinander bringt, ist an Lachhaftigkeit kaum noch zu überbieten und lässt bereits nach 15 Minuten keinen Zweifel mehr daran, dass es einfach nicht mehr schlimmer werden kann.

    Doch es kann. Banal gesagt: Der Film ist einfach nicht lustig. Die Witzchen erinnern an solche, bei welchem es am Tisch still bleibt, sollte ein dort Sitzender sie reißen und schieben dem Kinobesucher höchstens ein erzwungenes Schmunzeln auf die Lippen, was man jedoch gerade dann nicht erwartet hätte, wenn Namen wie Bully, Tramitz und Kavanian für diesen Film verantwortlich sind. Natürlich fehlen auch in diesem Film die Seitenhiebe auf einige der letzten großen Streifen, wie Pirates of the Caribbean, King Kong, Ice Age oder Herr der Ringe, nicht, jedoch sind diese so dermaßen gewollt und gezwungen angesetzt, dass es einem wirklich vorkommt, als ob man diese erst im Nachhinein irgendwo reingestopft hat, um einfach einige Spitzen aufweisen zu können. Das Traurigste ist jedoch, dass Bully es anscheinend für nötig ansieht seine eigene Parodie (Der Schuh des Manitu) zu parodieren. Auch wenn die Gags in DSdM noch immer hervorragend sind, wirken sie in Lissy und der wilde Kaiser so aus dem Zusammenhang leider ausgelutscht und fade, also alles Andere, als ansatzweise amüsant.

    Das einzig Positive, das zu sagen bleibt, ist, dass das Marketing Management des Films äußerst gut gearbeitet hat. Mit den beiden Vorgängern konnte bereits eine große Anhängerschaft gewonnen werden und auch jetzt noch viele Kinobesucher dazu bewegt werden ins Kino zu watscheln – inklusive mir, wie ich leider zugeben muss.
    Wer Lissi und der wilde Kaiser noch nicht gesehen hat, kann es bleiben lassen, denn man und frau verpasst ganz bestimmt keinen weiteren Meilenstein der Filmgeschichte. Zu wünschen wäre Herbigs Erkenntnis, dass es doch um einiges amüsanter ist, ihn selbst auf der Leinwand sehen zu können, anstatt seines animierten Alter Egos und außerdem eine ausgedehnte kreative Schaffenspause, die hoffentlich wieder bessere und vor allem witzigere Ideen liefert, über die wir ohne schlechtes Gewissen lachen können.
     
  2. Sandy

    Sandy Well-Known Member

    Registriert seit:
    16 Oktober 2004
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    6.080
    Geschlecht:
    weiblich
    AW: Filmkritik: Lissi und der wilde Kaiser

    Tolle Filmkritik. Liebe es solche Zeilen zu lesen :D

    Ich hab es mir immer noch nicht angetan, diesen Film anzusehen, aber nciht aufgrund irgendwelcher Kritiken. Sondern aus dem einfachen Grund, dass ich die Sissi - Triologie sehr gern anschau und ich sie mir nicht von so nem "verarsche" Film versauen möchte...

    Sorry, Bully. Eigentlich mag ich seine Filme total. Aber in dem Fall, lass ich "Lissi u. der wilde Kaiser" aus.
     
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