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Der Friedhof der schlafenden Seelen

Dieses Thema im Forum "Sombra - das Schattenland" wurde erstellt von Margit, 24 März 2016.

  1. Margit

    Margit Administrator Mitarbeiter

    Registriert seit:
    17 Februar 2004
    Beiträge:
    17.309
    Ort:
    Salzburg
    Der Friedhof der schlafenden Seelen

    Folgt man einem unscheinbaren Pfad durch den Schattenwald, erlangt man mit wenigen Schritten den Rand von Sombra. Dreht man sich nach links, erkennt man den Schatten der Hängebrücke im schwachen Licht der Sonne, sieht man nach rechts, entdeckt man eine verwitterte alte und hüfthohe Steinmauer, die um den Rand entlang und in den Schattenwald hineinläuft. Folgt man der Mauer gelangt man zu einem zweitürigen Tor, das genauso verwittert wie die Steinmauer aussieht. Die Türen stehen weit offen und würde man sie bewegen wollen, gäbe es ein Ächzen und Stöhnen der Scharniere, doch die Türen würden sich dennoch nicht bewegen lassen, zu viel Moos und Rost hat sich auf den Türen festgesetzt.

    Wenn man den Friedhof am Tage betritt, meint man zuerst, sich in einen wunderschön angelegten Garten zu befinden. Sträucher, Bäume und Blumen blühen hier, ganz anders als im Schattenwald. Helle Kieselsteine bilden einen vielverzweigten Pfad, der sich durch saftiges grünes Gras hindurchschlängelt. Und kleine Brücken führen über einen dünnen und seichten Bach, der sich seinen Weg durch den Friedhof sucht. Folgt man dem Pfad vom Eingang, der tiefer hineinführt, so erkennt man jedoch sehr schnell wo man hier gelandet ist.

    Der Friedhof ist nicht besonders groß, dennoch beherbergt er einige Gräber, deren Grabsteine unterschiedlich groß und unterschiedlich prunkvoll sind. Auch sind sie vollkommen verschieden gestaltet. Manche haben dicke Marmorplatten auf dem Grab, andere wiederrum werden von Blumen und Gräsern überwuchert. Wobei das eine oder andere Grab sehr gepflegt und liebevoll hergerichtet aussieht, während andere Gräber trostlos und völlig verwahrlost erscheinen. Gut verteilt, zwischen den Gräbern findet man auch Engelsfiguren und Madonnenstatuen wieder. In einem Teil des Friedhofs steht eine schöngeschwungene Mauer, jedoch auch sehr verwittert und mit Efeu überwuchert. Diese Mauer hat lauter Einkerbungen, in denen Urnen stehen. Außerdem befindet sich unter jeder Einkerbung ein kleines Schild, auf dem der Name und die Lebensdauer des Verstorbenen eingraviert sind.

    Besonders ist auch, dass die Verstorbenen hier nicht unbedingt in Adormidera gelebt haben müssen. Viele Namen sind manchen Bewohnern völlig unbekannt, das liegt daran dass es Namen aus einer anderen Welt und einer anderen Zeit sind. Doch befinden sich hier auch Verstorbene wieder, die mit der Vergangenheit mancher Bewohner verwoben sind. So können die Bewohner hier her kommen und den Menschen gedenken, die sie schon sehr lange nicht mehr gesehen und an die sie vielleicht schon lange nicht mehr gedacht haben.

    Doch es sind auch bekannte Namen auf den Gräbern zu finden, Azucenas Grab zb. ist alles andere als verwahrlost. Auf ihr Blühen großblättrige Lilien in Azucenas Lieblingsfarben. Der Duft den diese Blumen ausströmen, gibt einem das Gefühl, als stünde Azucena direkt neben einem. Weiteres ist auch Pyriels Grab zu finden, seines erinnert daran, wie sehr er ein Hexer war, denn aus seinem Grab wachsen die Kräuter, die Pyriel am liebsten verwendet hat. In einer sehr dunklen Ecke befinden sich auch das Grab von Vajelandros und direkt daneben das Grab von Kalista. So reiht es sich Grab an Grab und jedes von ihnen bringt die Eigenschaften hervor, die den Verstorbenen auszeichneten.

    Es gibt aber auch Gräber, auf denen weder Name noch Lebensdauer zu sehen sind. Erst wenn jemand davor steht und einem lieben Verstorbenen gedenkt, ändert sich das Grab vor ihm und am Grabstein erscheint sowohl Name als auch Lebensdauer.

    Geht man in die Mitte des Friedhofs, entdeckt man einen sehr hohen Hügel auf dem ein kleines Mausoleum steht. Über eine Treppe am Hang des Hügels gelangt man hoch zum Mausoleum. Mit vielen Spitzbögen bilden sie beinahe einen Kreis und erheben sich in der Mitte zu einem spitzen Dach. Die Bögen sind mit Ornamenten reich verziert und jeder Bogen wird durch eine Eisentür verschlossen. Zwischen den Bögen befinden sich kleine kreisförmige Fenster. Diese Fenster sind für die bunten Lichtspiele im Innern des Mausoleums verantwortlich. Das Mausoleum soll an Rihanna und Lilliana Erinnern und wurde zu Ehren der beiden Hüterinnen hier im Friedhof errichtet. Im Mausoleum kann man auch Kerzen für die Verstorbenen anzünden und hier im kühlen Raum einen Moment verweilen.

    Das Besondere an diesem Mausoleum ist jedoch die gut versteckte Falltür. Öffnet man diese, findet man eine sehr steile Treppe wieder, die mehr an eine Leiter erinnert. Folgt man der Treppe nach unten in die Dunkelheit, befindet man sich direkt unter dem Friedhof. Besonders geräumig ist es hier nicht, wie man feststellen wird. Sobald man den Boden berührt, entflammen sich Fackeln und werfen ihren Schein auf einen kleinen Raum. Regale türmen sich den Wänden hoch und sind vollgestellt von Mappen und Büchern. In diesen Mappen und Büchern findet man die Geschichten zu jedem einzelnen Verstorbenen. Dort stehen auch geheime Dinge über die Personen und wo sie geboren wurden, was sie erlebt haben und an was sie gestorben sind. Alles ist dort dokumentiert und man kann Stunden zubringen, die Geschichten der Verstorbenen zu lesen. Auch von den Verstorbenen, die nicht auf Adormidera gestorben sind.

    Verlässt man das Mausoleum wieder und blickt sich noch am Friedhof ein wenig um, so fallen einem die Sitzbänke ins Auge, die rund um das Mausoleum stehen und in Richtung des Friedhofs blicken. Von hier aus hat man einen fabelhaften Überblick über den Schattenwald, bis hin zum nicht sehr weit entfernten Tempel der roten Orchidee. Lässt man sich auf eine dieser Bänke nieder, hat man einen wunderbaren Beobachtungsposten und kann die Umgebung so richtig auf sich wirken lassen. Scharfen Beobachtern fallen aber vorallem hier die merkwürdigen Lichtreflexionen auf, die hier und da im ganzen Friedhof passieren. Es ist, als würde man durch verzerrendes Glas blicken und das dahinterliegende, wird einmal größer, breiter, oder kleiner. Konzentriert man sich darauf, entdeckt man, dass es keine Lichtreflexionen sind, sondern viel mehr Gestalten.

    Geister, die über den Friedhof wandeln und sich hier offensichtlich wohl fühlen. Allerdings sind es keine echten Geister, vielmehr sind es Erinnerungen. Sie entspringen den Gedanken der Bewohner, die hier an ihre Lieben denken. Von da an, wandeln hier die Erinnerungen herum. Man muß sich also nicht erschrecken, wenn sich plötzlich eines dieser Erinnerungen neben einen Besucher auf die Bank sitzt um selbst zu verweilen. Möchte die Erinnerung gesehen werden, nimmt sie noch mehr die Form an, an die sich der Bewohner erinnert hat, selbst dann, wenn der Bewohner gar nicht mehr am Friedhof ist. Mit diesen Erinnerungen kann man sich unterhalten, doch sollte man sich keine Antworten erwarten. Nur selten können Erinnerungen dem Gespräch folgen, oder gar etwas dazu beitragen. Sie sind keine selbstdenkenden Wesen mehr. Sie sind schlicht nur Erinnerungen und alles was sie sagen würden, kommt aus dem Unterbewusstsein des Besuchers, der sie erschaffen hat.

    Solange es Tag ist, ist man an diesem Ort hier vollkommen geschützt. Niemand wird hier angegriffen und die Ruhe der Toten wird respektiert. Doch zieht die Nacht über den Schattenwald und somit über den Friedhof, sollte man lieber den Rückweg einschlagen. Denn in der Nacht passiert hier eine Verwandlung. Die Farben der Blumen verblassen und das Gras verliert sein saftiges Grün. Vögel, die vorher noch fröhliche Lieder gezwitschert hatten, jagen einem nun mit ihrem Trauergesang kalte Schauer über den Rücken. Doch vor allem die erschaffenen Erinnerungen erleben eine Wesensänderung. Sind sie am Tag noch vollkommen friedliebend und heißen den Besucher willkommen, so angriffslustig sind sie in der Nacht. Fühlt sich eine dieser Erinnerung in ihrer Ruhe gestört, versuchen die Erinnerungen die Bewohner von hier zu verjagen. So kann es sogar passieren, dass man sich in einem Kampf mit einer der Erinnerung wiederfindet, auch wenn man selbst diese Erinnerung erschaffen hat. Verhält man sich aber ganz still am nächtlichen Friedhof, dann hat man vielleicht das Glück von den Erinnerungen akzeptiert zu werden. Denn auch wenn die Farbenpracht des Friedhofs verschwunden ist, so ist es hier dennoch wunderschön. Die Grabkerzen versetzen den Friedhof in ein ganz besonderes und besinnliches Licht. Mancher mag den Friedhof am Abend gruselig finden, andere wiederrum erkennen gerade dann die Ruhe, die in diesem Ort liegt.


    Das Grab der Familie Pears

    Zum Dank, dass Jacob sich diesen Friedhof hier gewünscht hat, hat sich die Hüterin für den alten Mann etwas Besonderes einfallen lassen. Jacob war in seiner alten Welt jeden Tag am Friedhof um das Grab seiner Familie zu besuchen und um es zu pflegen. Er würde den Weg dorthin wohl auch mit geschlossenen Augen wieder finden und genau so ergeht es ihm auch hier. Er hat es im Gefühl, wohin er steuern muß, um das Grab seiner Familie hier in diesem Friedhof zu finden. Das Grab sieht genau gleich aus, wie in seiner alten Welt. Auch hier steht direkt vor dem großen Grabstein eine Sitzbank auf die er sich niederlassen kann und neben dem Grabstein stehen zwei große Laternen in denen friedlich Kerzen flackern. Die Bepflanzung des Grabes sieht sehr gepflegt aus und Esras Lieblingsblumen aus Ägypten gedeihen hier sogar besser als in der alten Welt.

    Obwohl sich Jacob damit schon zufrieden geben würde und er glücklich sein würde, dass er das Grab seiner Liebsten auch hier finden wird, hat ihm die Hüterin noch etwas Besonderes ermöglicht. Berührt Jacob den Grabstein und denkt an eine der drei Verstorbenen, so hört er die Stimme, riecht er den Duft und glaubt die Berührung seiner liebsten zu spüren. Alles scheint so echt zu sein und wenn Jacob sich der Magie nicht verwehrt, ist es ihm sogar möglich die Gestalt deutlich vor sich zu sehen und ein Lächeln von seiner Frau, seiner Tochter und seiner Enkelin zu erhaschen.
     
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